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Umgang mit Spielekonsolen und nicht altersgerechten Spielen (Entscheidung des Amtsgerichts Bad Hersfeld vom 27.10.2017 - 63 F 290/17 SO in FamRZ 2018, 1003 ff)


Spielekonsolen und Computerspiele sind aus dem Alltag und den Kinderzimmern vieler Kinder nicht mehr wegzudenken. Eltern stehen dieser Entwicklung häufig etwas hilflos gegenüber, weil sie den Eindruck haben, dass gerade ihr Kind zum Außenseiter würde, wenn man versuche, Beschränkungen durchzusetzen oder einzelne Spiele gar ganz verbiete. 


Das Amtsgericht Bad Hersfeld hatte sich damit vor Kurzem zu befassen gehabt. Eigentlich handelte es sich um ein Verfahren zur Ausgestaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge. 

Die Mutter beklagte, dass der 10 Jahre alte Sohn häufig dann, wenn an ihn zu Hause schulische Anforderungen gerichtet würden (Hausaufgaben machen) er oft den fußläufig erreichbar lebenden Vater besuche, um sich den Pflichten zu entziehen, der Vater dies billige und dem auch in der Regel nichts entgegen setze. 


Während des Verfahrens stellte sich heraus, dass beide Elternteile mehr oder weniger tatenlos zuließen, dass der Sohn Spiele wie z.B. GTA 5 (Grand Theft Auto V) spiele. Zur Begründung führte die Mutter an, dass sie zwar wisse, dass das Spiel erst ab 18 erlaubt und brutal sei, sie deshalb ihrem Sohn anfangs noch ganz bewusst gesagt habe, er dürfe in dem Spiel nur mit dem Auto herumfahren, jedoch nicht die ganzen kriminellen Sachen tun, jetzt sei es aber schon so weit eingerissen, dass sie nicht wisse, wie ihr Sohn reagiere, wenn nur er das Spiel nicht mehr spielen dürfe, seine ganzen Freunde oder Klassenkameraden aber schon.


Das Gericht hat hierauf den Eltern gegenüber eine familiengerichtliche Auflage nach § 1666 BGB erteilt. Nach dieser Vorschrift trifft das Gericht die Maßnahmen, die zur Abwendung einer Kindeswohlgefährdung erforderlich sind, wenn die Eltern des Kindes nicht gewillt oder in der Lage sind, die Gefahr selbst abzuwenden.


Das Gericht hat festgestellt, dass es sich beim dem Spiel GTA 5 um ein extrem gewaltpräsentierendes Spiel handelt, in dessen Verlauf gravierende Körperverletzungen sowie Tötungen nachgespielt werden. Es werden diverse Foltermethoden durchgespielt.


Unter Bezugnahme auf das Jugendschutzgesetz hat das Gericht ausgeführt, dass die Inhalte dieses Spiels für einen 10-jährigen Jugend völlig ungeeignet sind und die seelische Entwicklung bei einem Kind dieses Alters bereits bei bloßer Ansicht und erst recht beim Durchleben mittels eigenem Ansteuern und Vollführen solcher Spielszenen massiv gefährdet ist.


Der Vortrag, das Spiel werde durch viele gleichaltrige Freunde und Klassenkameraden des Kindes gespielt, entlastet die Eltern nicht.

Der Gefahr kann nur entgegengewirkt werden, wenn dem Kind das Spiel weggenommen und ihm künftig nicht mehr zugänglich gemacht wird. Genau dies wurde den Eltern aufgegeben. 



15.07.2018



 

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